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Fake President? Erkenntnisse zur Relevanz von Social Bots & Fake News zur Bundespräsidentenwahl

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Wie manipulierbar ist die Bundestagswahl? In den letzten Monaten konnte man stellenweise den Eindruck bekommen, dass der Wähler am 24. September besser gleich zu Hause bleiben sollte. Denn die Wahl würde ja eh von Hackern, Social Bots oder Fake News entschieden werden. Politischer Aktionismus wie die Forderung eines “Fake News” Verbots von Martin Schulz verstärkten den Eindruck, dass diese Phänomene die nächste existenzielle Bedrohung der Demokratie darstellten.

Ich möchte keinesfalls anzweifeln, dass Meinungsroboter und Fake News ernstzunehmende demokratiefeindliche Formen politischer Digitalkommunikation sind. Über ihre Relevanz und Wirkungsweisen wissen aber noch sehr wenig. In einem vorherigen Beitrag hatte ich erste Zahlen zur Verbreitung von Fake News über Angela Merkel auf Facebook geschrieben. Nun möchte ich mit der Aufbereitung neuer Forschungsergebnisse der Universität Oxford weiter zur Versachlichung der Debatte beitragen.

Im Rahmen des Projekts Political Bots am Oxford Internet Institute wurde der Einsatz von Social Bots und die Verbreitung von Fake News zur Bundespräsidentenwahl 2017 auf Twitter untersucht. Die Stichprobe umfasste 121.582 Tweets, die im
Zeitraum vom 11. bis 13. Februar 2017 gesammelt wurden. Am 12. Februar wurde Frank-Walter Steinmeier von der Bundesversammlung zum neuen Bundespräsidenten gewählt.

Hinsichtlich der Relevanz von Social Bots zeigen die Zahlen: Social Bots spielten eine geringe Rolle in der Twitterdebatte zur Bundespräsidentenwahl. 5.962 Tweets, abgesendet von 22 Twitterprofilen, wurden als maschinell erstellte Tweets identifiziert. Damit machten Tweets von Meinungsroboter insgesamt 4,9% aller untersuchten Tweets zur Bundespräsidentenwahl aus.

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Anders sieht es bei der Verbreitung von Fake News aus. Fast jeder vierte Tweet, in dem ein externer Nachrichtenartikel geteilt wurde, enthielt Fake News oder Junk News. Anders gesagt: 22,6% der geteilten Nachrichtenquellen in den Tweets zur Bundespräsidentenwahl sind Fake News oder Junk News. Das ist ein erheblicher Anteil und unterstreicht, dass Fake News tatsächlich eine hohe Verbreitung geniessen, wie es auch bereits an anderer Stelle nachgewiesen wurde.

Die Tatsache, dass Fake News geteilt werden, heißt aber noch nicht, dass diese auch automatisch eine Wirkung von die Meinungsbildung von Menschen haben. Die Wirkung dieser destruktiven Phänomen gilt es noch eingehend zu untersuchen. Dennoch ist die Verbreitung falscher Nachrichten zur Bundespräsidentenwahl alarmierend und sollte uns dazu anregen, eine Debatte darüber zuführen, wie wir ihre Wirkung möglichst gering halten können. Dazu hatte ich an anderer Stelle bereits einige Vorschläge gemacht.

 

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